30.11.2009
Baja 1000, Rückblick: Vorsichtiger Start, dramatisches Finish

Vor dem Start in Ensenada: die Baja 1000 ist ein Motorsport-Volksfest
Liebe Freunde, Partner und Sponsoren,
hier ist mein ganz persönlicher Rückblick auf die diesjährige Baja 1000. Viel Spaß!
Vom Start bis zur Race Mile 30 gehe ich es sehr gelassen an. Das ist mein eiserner Vorsatz bei dieser Baja 1000. Denn 2008 hatte ich mich gleich nach dem Start festgefahren, als ich im dichten Staub bei schlechter Sicht schnell um einen gestrandeten Gegner herumwollte. Also halte ich erstmal die Zügel meiner 640 Pferde kurz, auch wenn die fetten Trophy Trucks vor uns wie gute Beute aussehen. Der Staub steht vor dem Auto wie eine gelbe Wand. Die Race Miles 23 bis 30 kennen wir überhaupt nicht, denn die konnte niemand trainieren. Wir laufen auf einen Trophy Truck auf. Ich warte kurz ab. Da schießt Hurley Letner vorbei. Hurley führt die Meisterschaft knapp vor uns an. Der darf eigentlich nicht vorbei. Aber: Geduld, Armin, Geduld. 
Kurz nach dem Start geht's auch heftig um die Show ...
Jetzt haben wir die ersten 30 Meilen geschafft. Die Sicht wird besser. Ich gebe dem Achtzylinder Feuer, und es geht mächtig voran. Bei Race Mile 65 schnappen wir Hurley Letner, gehen vorbei. Es läuft perfekt, der Rhythmus stimmt, der AGM Buggy läuft dank der makellosen Vorbereitung durch unsere Teamkollegen hervorragend. Wir machen unheimlich Dampf. Wir machen einen solchen Dampf, dass wir an die Spitze der Gesamtwertung stürmen. Unser Team legt bei Race Mile 160 einen traumhaften Pit Stop hin. Und wir bleilben vorn.
... aber auch dabei zählt jede Sekunde
Race Mile 180. San Felipe. Der Name dieser Stadt sorgt bei Baja-Kennern für eine Gänsehaut. Die riesigen Bodenwellen über viele, viele Meilen sind der Horror für alle. Fast alle. Denn während alle anderen ums Überleben kämpfen, spielen die riesigen Trophy Trucks ihre endlosen Federwege und ihr mammuthaftes Drehmoment aus. Trotzdem: Wir bleiben ganz vorne dabei.
Dann weht bei Race Mile 260 dieser Geruch ins Cockpit: Getriebeöl. Dabei waren wir vorher nicht mit großer Speed oder durch kurvenreiches Gelände unterwegs. Zwischendurch ist für zehn, zwölf Meilen alles wieder in Ordnung, dann riecht’s wieder dieser Duft von Unheil. Mein Beifahrer Bryan und ich sind uns einig: Wir nehmen Gas raus.
Wir erreichen den Matomi Wash, ein trockenes Flussbett, wie ein Canyon in die Wüste gefressen. Hier unten liegen sehr, sehr große Brocken. Es ist wie Rock Crawling, langsam und quälend und knallhart. Der Ölgeruch ist stark. Die Steine sind teils so scharfkantig, dass jetzt viele mit Plattfüßen liegen bleiben.
Race Mile 295, der Wash öffnet sich. Wir sehen das Meer, jetzt geht es wieder schnell dahin.
Rund 250.000 Zuschauer sahen diese Baja vom Streckenrand
Nach einer Highway-Passage tauchen wir für 35 Meilen in einen der härtesten Abschnitte dieser Baja 1000. Es ist, als wäre ein stürmisches Meer zu Fels erstarrt. Diese Prüfung zerreisst fast das Auto und bringt uns Menschen an die äußerste Leistungsgrenze. Aber wir halten durch, das Auto hält und die BF Goodrich halten ebenfalls.
Endlich: unser Pit Stop! Seit zehn Minuten ist es düster. Wir führen die Klasse mit über 20 Minuten vor Armin Kremer an. Die Mechaniker suchen die Ursache für den Ölgeruch und finden einen Haar-Riss im Getriebegehäuse. Sie füllen Öl nach. Das ist nix für ungeduldige Menschen, denn Getriebeöl hat ungefähr die Viskosität von kühlem Honig.
Dann kann Martin losfahren. Er wird etwa alle 80 Meilen anhalten und vorsichtshalber Öl nachfüllen. Irgendwo wird in der Nacht an einem Hindernis vorne links die Bremsleitung abreißen. Und Martin wird unseren Buggy wieder auf seine unvergleichliche Art sicher und schnell ins Ziel bringen.
In Ensenada ist es 1:40 Uhr in der Frühe, als Martin unseren Buggy nach knapp 16 Stunden über die Ziellinie fährt. Bei allem Nachfüllen und aller Vorsicht sind wir Zweite in der Class 1 Unlimited geworden und damit Vizemeister hinter Ronnie Wilson, der uns um ganze drei Punkte schlägt! Wir alle denken für eine Sekunde: „Was wäre gewesen, wenn ... ?“ Aber ganz schnell macht sich die Freude über diesen Erfolg am Ende unserer zweiten vollständigen SCORE-Saison breit. Und es ist klar: Jetzt gibt’s eine Riesenfete!
Nach rund 16 Stunden erreicht Martin das Ziel in Ensenada
Daran kann unser Teamkollege Andreas Aigner im zweiten AGM Buggy freilich noch nicht denken. Andy hängt fest, oben bei Mike’s Sky Ranch und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Es wird noch gute zehn Stunden dauern, bis auch er in Ensenada eintrifft. Und dann wird er was zu erzählen haben. Das tut er in zwei Wochen hier.
Bis dahin,
herzliche Grüße,
Armin




